Der vergessene Krieg in Laos

Sicher ist das folgende einigen bekannt, aber aufgrund des aktuellen Besuches von Obama in Laos diesen September und weil wir auch gerade in Luang Prabang im UXO Laos Visiting Center waren, hier Informationen zu einem oft vergessenen Krieg und den bis heute andauernden drastischen Folgen für die Bevölkerung.

UXO steht für „unexploded ordinance“, LAO UXO ist die staatliche Laotische Organisation, die sich mit der Bombenräumung, der Öffentlichkeitsarbeit und der Information bzw. Erziehung der Landbevölkerung befasst. Die Informationen in diesem Post kommen im Wesentlichen von der LAO UXO, der unabhängigen Organisation Legacies of War, ABC-News, der BBC und einem Artikel in der Süddeutschen

Nackte Zahlen zeigen das Ausmaß und den Zynismus

Um die Nachschubwege der Vietkong zu unterbrechen und die Regierung im Kampf gegen die Kommunisten zu unterstützen, startete die USA die größte paramilitärische Aktion die je von der CIA koordiniert wurde. Über unglaubliche 9 Jahre warfen die USA noch unglaublichere 2 Millionen Tonnen Sprengkörper auf Laos ab. Damit diese Menge vorstellbarer wird, das entspricht etwa dem Abwurf einer Flugzeugladung Bomben alle 8 Minuten 24 Stunden am Tag über 9 Jahre. Das macht Laos zu dem pro Kopf der Bevölkerung am meisten bombardierten Land der Welt. Dieses Beispiel kommt von der Organisation „Legacies of War, die auch weitere schockierende Zahlen zusammenfasst:

  • 270 Millionen Clusterbomben (siehe Feature-Bild) wurden abgeworfen
  • Knapp ein Drittel, etwa 80 Millionen davon sind nicht explodiert, die meisten liegen immer noch irgendwo im Farmland herum und stellen eine große Gefahr für die Bevölkerung, insbesondere die Kinder dar
  • Etwa 20.000 Personen wurden in Laos durch solche nicht explodierten Bomben verletzt oder getötet, in 2008 gab es immer noch 310 Vorfälle.

Der einzige Sinn solcher Clusterbomben ist möglichst effizient Leute zu töten oder zu verletzen. Eine Clusterbombe enthält mehrere hundert kleine Bomben, sogenannte Bombies. Diese wiederum explodieren in lauter kleine scharfe Fragmente mit verheerender Wirkung. Tragischerweise, dabei jedoch komplett vorhersehbar, waren und sind die meisten Opfer Zivilisten.

Clusterbombe im UXO-Visitorcenter
Clusterbombe im UXO-Visitorcenter in Luang Prabang

Die Folge dieses enormen Bombardements ist, dass in großen Landstrichen von Laos auch nach über 40 Jahren immer noch eine nicht unerhebliche Gefahr besteht. Die Bauern haben Angst, sie können jedoch nicht auf die landwirtschaftliche Bewirtschaftung dieser Gebiete verzichten. Am gefährdetsten sind die Kinder, die die kleinen „Bombies“ für Spielzeug halten.

Stark bombardierte Flächen in Laos (Quelle UXO LAO)
Stark bombardierte Flächen in Laos (Quelle UXO LAO)

Die “Convention on Cluster Munitions”, welche den Gebrauch und die Produktion von Cluster-Munition untersagt, ist seit dem 1.8.2010 in Kraft, Stand April 2016 haben 108 Staaten unterschrieben, nicht jedoch die USA.

Die USA hat von 93 bis 2016 im Schnitt mit etwa 4,9 Millionen Dollar pro Jahr zur Beseitigung dieser Sprengkörper beigetragen. In den 9 Jahren der Bombardierung hat sie laut Legacies of War etwa 13,3 Millionen Dollar (hochgerechnet auf die Inflation bis 2013) pro Tag für die Bombardierung ausgegeben.

Obama war der erste Präsident der USA der Laos besucht hat. Er hat bei seinem Besuch im September 2016 eine Aufstockung des Etats für die nächsten 3 Jahre auf 30 Millionen pro Jahr zugesagt, ein guter Anfang, aber entschuldigt hat er sich bei seinem Besuch nicht.

Wenn ihr in Luan Prabang seid, besucht das UXO Laos Visiting Center, eine kleine, aber drastische und sehr informative Ausstellung. Hart sind insbesondere die Erlebnisberichte von vier Kindern, die so eine Detonation knapp überlebt haben.

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