Die große Camper-Überführung

Gelesen hatten wir darüber im Internet, viele Leute mieten sich einen Camper und fahren von der Nordinsel, Auckland, nach Christchurch auf der Südinsel. Da viel mehr Leute diese Strecke wählen, müssen die Camper irgendwie zurück nach Auckland – und hier gibt es nun den Deal. Für nur 5 Neuseeland-Dollar pro Tag kann man den Camper überführen, die Fähre für den Wagen muss man ebenfalls nicht bezahlen – billiger kommt man nicht an so ein Auto. Der Haken an der Sache ist jedoch, dass die Zeit dafür begrenzt ist, für Christchurch – Auckland beispielsweise 4 Tage. Manchmal bekommt man noch weitere Tage Zeit, muss dann aber für die zusätzlichen Tage mehr zahlen. An Angebote kommt man entweder direkt bei den Vermietern oder auf Vergleichsportalen wie beispielsweise diesem hier. Man kann sich auch einen Newsletter mit aktueller Liste schicken lassen. Nach etwa 3-4 Tagen kam für uns ein passendes Angebot und die Buchung von Australien aus war problemlos.

Tag 1: Südinsel mit rauer Natur

Wir kamen spät in Christchurch an, es regnete, auch am nächsten Morgen. Als Camper bekamen wir ein Riesen-Geschoss mit 6 Schlafplätzen – daher auch der Titel ;-). Unser Plan war, gleich bis zum Fährterminal in Picton zu fahren, da wir ja eh noch vorhatten, uns später nur für die Südinsel einen Camper normal zu mieten und wir jetzt mehr Zeit für die Nordinsel haben wollten. Das bedeutete aber auch knapp 400 km Strecke. An die Größe des Campers und den Linksverkehr musste ich mich erst einmal gewöhnen. Zum Glück hatten wir keinen Jetlag, wir kamen ja nur von Australien. Die Straßen heißen State Highway, sie sind zwar gut ausgebaut aber trotzdem meist nur kurvige schmale einspurige Straßen. Nach etwa 150 km verlief die Straße direkt am Meer, das Wetter wurde besser und von nun an fing es an, Spaß zu machen. Bei jeder Ecke, um die man bog, eröffnete sich ein neues Panorama, links die Berge, rechts das Meer, aufgewühlt und felsig, dazu ein dramatischer Wolkenhimmel. Auf einmal sagt Antonella „hier sind Seelöwen“, ich: „wo?“ „na da am Strand, das kann doch nicht sein“. Und tatsächlich, am nächsten Felsenstrand wieder Seelöwen. Wir suchen einen Platz zum halten und gehen hin. Da liegen sie dann einfach so total relaxed auf den Felsen, schauen manchmal auf und ruhen sich aus. Ein Neuseeländer, der ebenfalls hält, sagt, man soll sich nicht von der Ruhe täuschen lassen, auf kurzen Strecken sind Seelöwen auf Felsen schneller als wir und sie können beißen, näher als ca. 10 Meter sollte man sich ihnen nicht nähern. Völlig geflasht fahren wir weiter. Später werden wir noch oft Seelöwen sehen.

Die wilde Küste in der Nähe von Kaikoura
Die wilde Küste in der Nähe von Kaikoura

Abends kommen wir in Picton an, etwas später als geplant. Wir schauen uns den Fährhafen an. Die Fahrt war ganz schön anstrengend und das Navi führt uns in die Irre (die Auto-Check-In-Stelle wurde verlegt). Ich bin gestresst, ein Verkehrsschild „stellt sich mir plötzlich in den Weg“, zum Glück ist es jedoch nur ein kleiner Kratzer, da das Schild nachgegeben hat. Es ist dunkel geworden. Wir suchen eine Camp-Möglichkeit und schlafen. Das Bett über der Fahrerkabine ist superbequem. Wir beschließen, nie wieder im Dunklen anzukommen.

Tag 2: Überfahrt mit der Fähre

Die Überfahrt, vor der ich wegen des großen Campers etwas nervös war, ist einfach und sehr schön. Die Fähre fährt durch die langen Fjorde des Marlborough Sounds. Auf halber Strecke sehen wir Delphine, die in den Bugwellen spielen. Wir sind begeistert, jeden Tag sehen wir Tiere, die wir nur aus dem Zoo kennen, in freier Wildnis. Nach etwa 3 Stunden kommen wir in Wellington an.

Mit der Fähre durch die Marlborough Sounds
Mit der Fähre durch die Marlborough Sounds

Wellington

Wir haben leider nicht viel Zeit und fahren zum Mount Victoria. In Koh Yao Noi hat uns ein netter Deutscher der mehrmals in Neuseeland war, davon vorgeschwärmt. Es gibt hier schöne Wanderwege. Hier fallen uns zum ersten mal die Bäume von Neuseeland auf, sie sind anders, schön, groß, verästelt, regelmäßig.

Baum am Wanderweg zum Mount Virctoria
Baum am Wanderweg zum Mount Virctoria

Der Ausblick von der Bergspitze auf Wellington ist wirklich schön. Interessant ist auch das Richard Byrd Memorial, welches an die Antarktis-Expeditionen von Byrd und an seine Rolle beim Aushandeln der Antarktisverträge erinnert. Hier steht ein nach Süden gerichtetes Denkmal. Blickt man wie die Büste von Byrd in Richtung Süden, dann gibt es nur noch das Meer bis zur Antarktis.

Blick nach Süden, auf das Byrd-Memorial, die Antarktis und Antonella
Blick nach Süden, auf das Byrd-Memorial, die Antarktis und Antonella

Himatangi Beach

Da der Berg und die Wanderwege sehr schön waren, ist es schon später. Wir wollen nicht mehr viel fahren und suchen uns daher den Himatangi Beach aus, der nur etwa 130km entfernt ist. Der Campingplatz ist in direkter Strandnähe, der Betreiber freundlich und tiefenentspannt. Wir parken und gehen zum Strand. Der ist wieder toll, breit, lang, wild. Am Anfang steht ein Schild: „der Strand ist eine Straße“ wir wundern uns, aber es macht Sinn, die Neuseeländer fahren hier mit dem Auto nicht nur zum sondern auch auf dem Strand. Der ist jedoch so groß, dass das nicht einmal stört.

Der Strand von Himatangi
Der Strand von Himatangi

Tag 3: Wie viele verschiedene Landschaften passen in 250 km

Wir gehen am Morgen noch einmal am schönen Strand von Himatangi spazieren. Auch beim auschecken ist der Betreiber des Campingplatzes sehr gelassen, lasst Euch Zeit ist sein Kommentar.

Morgenspaziergang am Strand von Mimatangi
Morgenspaziergang

Landschaftswechsel

Der Weg führ erst durch sanfte Hügel, wir nennen das in Zukunft immer das Kuh-Paradies. Dann begleitet der State Highway 1 eine ganze Weile den Rangitikei-Fluss mit tollen Aussichten bis es bergiger wird. Wir fahren nun durch eine steppenartige Landschaft, Bäume gibt es nur noch wenige und dann kleine mehr. Die Straße heißt hier Desert Road. Es ist sehr windig, da der Camper sehr hoch ist, muss man stellenweise richtig gegen den Wind anlenken. Wir sehen schneebedeckte Berge. Im Winter gibt es hier manchmal meterhohe Schneeverwehungen. Plötzlich eröffnet sich eine Ebene….

Lake Taupo

… und wir sehen den Taupo-See, der größte See Neuseelands. Entstanden ist er durch einen der weltweit bedeutendsten Vulkanausbrüchen der vergangenen 250.000 Jahre. Am Ende des sich lange hinziehenden Ausbruchs kollabierte die Magmakammer unter dem Vulkan, es entstand eine Caldera, die durch die Flüsse der Umgebung mit Wasser gefüllt wurde. Der SH 1 schlängelt sich am Ufer entlang. Immer wieder gibt es schöne Rastplätze.

Rastplatz am Taupo-See
Rastplatz am Taupo-See

Wairakei

Der nächste Stop ist Wairakei, das Pamukale von Neuseeland. Bei der Wahl uns entweder die Kalkterrassen anzuschauen oder in die heißen Naturbäder zu gehen, entscheiden wir uns für letzteres. Es gibt diverse verschieden warme Pools, das Baden dort eine Wohltat, die Haut fühlt sich danach noch tagelang weicher an.

Waiotapu

Durch die Pausen an tollen Stellen und unserem Bad an den heißen Quellen haben wir etwas Zeit verloren, so dass wir uns entschließen, nicht bis nach Rotorua, dem Ziel, das wir uns vorgenommen hatten, zu fahren. Unsere Wahl fällt auf Waiotapu, hier gibt es eine Taverne, die Stellplätze mit Strom hat. Der Ort ist winzig, die Taverne nett. Wir essen dort und schlafen

Tag 4: Thermal Wonderland

Am Morgen wird uns bewusst, dass wir uns unwissend einen tollen Ort ausgesucht haben. Nur wenige Kilometer von der Taverne entfernt ist das Thermal Wonderland. Die ganze Gegend ist immer noch geothermisch total aktiv. Eine riesige unterirdische Magma-Blase speist Unmengen von heißen Quellen. Die ganze Gegend ist übersäht von Kratern, heißen Seen, rauchenden Erdlöchern, blasenwerfenden Schlammtümpeln. Überall raucht und blubbert es.

Der Champagner-Pool im Thermal-Park von Waiotaupo
Der Champagner-Pool im Thermal-Park von Waiotaupo

Seen haben die merkwürdigsten Farben. Nun kennen wir die Quelle der Füllungen für die neongelben Edding-Textmarker.

Durch Schwefel neongelb gefärbter Kratersee
Durch Schwefel neongelb gefärbter Kratersee

Es regnet immer stärker. Die Weiterfahrt ist anstrengend. Wir lesen, dass eine Straße in direkter Nähe wegen Überschwemmung gesperrt ist. Unsere Straße führt direkt an einem Fluss entlang, dessen Pegel immer höher wird. Antonella sieht, dass auf der anderen Seite des Ufers der Fluss bereits ein Stück einer anderen Straße angeknabbert hat. Beide sind wir sehr nervös.

Wir entschließen uns bis kurz vor Auckland zu fahren, damit wir am nächsten Tag keinen Stress mit der Übergabe haben und kommen müde an.

Tag 5: Auckland und Übergabe

Viel ist nicht mehr zu machen. Das erste mal beschäftigen wir uns mit dem Entsorgen des Grauwassers und des Klo- Abwassers. Geht einfacher als gedacht. Dann müssen wir den Camper sauber machen, hier sind die Regeln relativ streng, schnell gibt es eine saftige Reinigungsgebühr, falls die Sauberkeit bemängelt wird. Wir haben den großen Camper mit all seinem Komfort genossen, insbesondere, dass wir nie das Bett wegräumen mussten, sind jedoch auch froh, bald eine etwas spartanischere und kleinere Variante zu haben.

Fazit:

Spaß hat es gemacht, es war aber auch ganz schön viel Fahrerei. Es lohnt sich, wenn man entweder wenig Zeit hat oder den Camper im Anschluss noch normal für ein paar Tage mietet. Das geht jedoch nicht immer. Es lohnt sich auch, wenn man ein paar verschiedene Camper ausprobieren möchte. Wichtig ist, dass man bei der Streckenplanung daran denkt, dass man in Neuseeland für die gleiche Strecke deutlich länger braucht als in Deutschland (siehe unser Erlebnis am ersten Tag).

Wie geht’s weiter:

Auch wenn es erst einmal komisch klingt, wir fliegen direkt nach Christchurch, um den anderen Camper in Empfang zu nehmen. Hätten wir direkt in Auckland gemietet, so hätten wir wieder etwa 550 km fahren müssen um überhaupt wieder auf der Südinsel zu sein. Auch wäre der Preis für die Fähre für uns und Camper deutlich teurer als der Flug gewesen. Über die längere Reise im Süden berichten wir bald.

2 thoughts on “Die große Camper-Überführung

  1. soooo schön, wir waren vom 29.01. bis 3.3. in NZ, was für ein Traumland…. am liebsten würde ich dort leben…. ich möchte so schnell wie möglich wieder hin… danke für Euren Bericht! Wir reisten 4 Wochen in CamperBus von Christchurch nach Auckland

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