Gletscher und bizarre Felsen

Die Westküste ist großartig, ein wildes Meer, spektakuläre Felsen und immer wieder Überraschungen. Erste Eindrücke hatten wir ja schon im letztem Post beschrieben. Neben Kaikoura war unser Übernachtungsplatz hier wahrscheinlich der schönste auf unser Campertour. Mit dem Camper kam man bis an den Strand, außer uns war dort nur ein nettes deutsches Pärchen, die bereits an einer Feuerstelle ein Lagerfeuer entzündet hatten. Der Strand war sehr breit und lang, wir haben bei unserem Spaziergang am nächsten Morgen das Ende nicht erreich, die Brandung war stark. Es ist schön, in einem warmen Camper einzuschlafen, wenn man draußen Meer und Wind rauschen hört.

Free Camping an der Westküste
Free Camping an der Westküste

Punakaiki Pancake Rocks

Nicht weit weg von unserem Übernachtungsplatz waren die Pancake-Rocks. Wenn man die Westküste entlang fährt, lohnt sich hier auf jeden Fall ein Stopp.

Der Name wird klar, wenn man die Felsen sieht, die wie gestapelte Pfannkuchen aussehen. Entstanden sind sie, weil sich das Sedimentgestein durch tektonische Erhebung an die Oberfläche gekommen ist und die raue See für die Erosion gesorgt hat. Durch die verschieden schnell erodierenden Schichten entstehen die tollen Felsformationen.

Die Pancake Felsen, deutlich sichtbar die Schichtstruktur
Die Pancake Felsen, deutlich sichtbar die Schichtstruktur
Bizarre Pancake-Felsformation
Bizarre Pancake-Felsformation

Teilweise bilden sich Höhlen, aus denen bei starkem Wellengang die Gischt horizontal herausgeblasen wird. Dazu gibt es unscheinbare größere Löcher, die man kaum sieht, aber um so mehr hört, wenn die unten durch das Wasser verdrängte Luft laut fauchend nach oben durch die Löcher ausweicht.

Blow Hole
Blow Hole

Es gibt hier einen sehr gut präparierten Wanderweg, der tolle Aussichten hat. Wir hatten Glück und konnten an einer Stelle auch minutenlang spielende Delfine im Wasser beobachten.

Delfine vor den Pancake Felsen
Delfine vor den Pancake Felsen

Die Gletscher an der Westküste

An wenigen Stellen in der Welt außer der Antarktis enden Gletscher so tief wie an der Westküste der Südinsel Neuseelands. Hier kommen sie bis auf etwa 300 m herunter und sind nur etwa 12 km vom Meer entfernt.

Franz-Josef Gletscher

Seinen Namen hat der Franz Josef Gletscher von Haast, einem deutschen Geologen aus dem 19. Jahrhundert, der die Südinsel erforschte und vielen Orten hier seinen Namen vermacht hat (ein Fluss, ein Berg, ein Pass, eine Stadt, ein paar dvaon begegnen uns hier). Vermutlich gelangweilt davon, immer nur sich selbst zu nehmen, hat er sich bei diesem Gletscher für Namen des Kaisers Franz Joseph I von Österreich entschieden, manche sagen, wegen dessen weißem Rauschebart. Romantischer ist die Geschichte der Namensgebung durch die Maori, hier heißt er „Kā Roimata o Hine Hukatere“ (Die Tränen der Hine Hukatere). In Kürze geht sie so: Hine Hukatere, eine schöne Frau von den Bergen heiratete einen Mann vom Meer und zog zu ihm. Die Sehnsucht nach den Bergen war groß, sie wanderte und kletterte zu ihren Verwandten. Ihr Mann folgte ihr, er war jedoch als Fischer weniger erfahren und kam beim Klettern ums Leben. Nach dem kurzen Besuch ihrer Familie stieg sie von den Bergen herab und erfuhr vom Tode ihres Mannes. Sie begann zu weinen und hörte nicht mehr auf. Die Götter ließen ihre Tränen zu Eis gefrieren – et voila, der Gletscher.

Wir wollten einen Heli-Flug machen, hatten den auch gebucht, aber er wurde leider am nächsten Morgen aus Wettergründen abgesagt. Ein bisschen enttäuscht, entschieden wir uns für die geführte Gletschertour. Hier zeigte sich der Erfindungsreichtum der Neuseeländer aus allem eine zu bezahlende Touristenattraktion zu machen. Die Tour kostete 75 NZ-Dollar pro Person, man fährt ca 10 Minuten zum Parkplatz und geht dann fast den gleichen Weg, den man auch einfach selber gehen kann bis zum Viewpoint am Fuß des Gletschers. Die einzige Abweichung war, dass wir etwa 10 min in den Wald abgebogen sind und am oberen Viewpoint etwa 300 m näher an den Gletscher herangingen. Immerhin, der Guide war wirklich gut und man konnte dafür auch gratis in die Hot Pools, was bei dem Wetter wirklich angenehm war. Das gleichnamige Dorf lebt ausschließlich vom Tourismus, es gibt noch alle möglichen anderen Aktivitäten wie Kayak fahren (war leider ausverkauft) und wenn man Kiwis sehen möchte, das „West Coast Wildlife Centre“, das mit wildlife etwa so viel zu tun hat wie die Spree mit white water rafting. Wie ein Freund von uns sagte, in Neuseeland ist man ein sich bewegendes Ticket und hier wird es besonders deutlich.

Vor dem Franz-Josef-Gletscher
Vor dem Franz-Josef-Gletscher

Der Franz-Josef Gletscher war trotzdem schön (siehe Feature-Bild). Leider wird hier die Erderwärmung sehr deutlich. Obwohl er bekannt ist für eine sich zyklisch wiederholende Ausdehnungs- und Schrumpfungsphase ist der Rückgang seit 2008 (dem Ende der letzten Wachstumsperiode) beängstigend. Die Aussichtsplattform wird immer weiter bergauf verschoben.

Gletscherspuren in den Felsen
Gletscherspuren in den Felsen
Zurückgebliebenes Eisstück
Zurückgebliebenes Eisstück

Fox Gletscher

Nur etwa 20 km entfernt ist der Fox-Gletscher. Auch er ist sehr gut vom State-Highway zu erreichen. Hier gibt es einen Abzweig zum sogenannten „Glacier Access-Point“ und nach etwa 5-10 Minuten kommt man zum Start des kurzen Wanderweges. In etwa 20 Minuten kommt man zur höchsten Aussichtsplattform. Wer weiter hoch möchte, muss einen Heli-Flug mit Gletschertour buchen.

Wie geht es weiter?

Ursprünglich wollten wir zu den Milford Sounds weiter im Süden. Bis dahin ist es jedoch noch ein ganzes Stück und da diese in einer Sackgasse liegen und man dann wieder zurück muss, war hier für uns die Zeit zu kurz oder wir hätten viele Stunden nur auf der Straße verbringen müssen. Also wollten wir langsam wieder zur Ostküste überwechseln. Entschieden haben wir uns, diese über den Wanakasee zu erreichen. Mehr darüber im nächsten Post.

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