Lohnt sich ein Sabbatical – Das Leben danach

Nun ist es ein Jahr her, dass unsere 6-Monatsreise zu Ende ist – Zeit für eine kleine Rückbetrachtung. Hat es sich gelohnt? Kann man danach wieder wie früher arbeiten? Will man sofort wieder weg? Ist die Reise wie alle früheren eine kurze Auszeit mit vielen Fotos? Ist man danach anders? Ein paar der Fragen kann ich schnell beantworten, andere bleiben offen, aber das ist ja das spannende.

Hat es sich gelohnt?

Jaaaaaaaaaa!!!! Auch nach einem Jahr denken wir unentwegt an unsere Erlebnisse, unser Kopf ist voller Erinnerungen und schöner Bilder. Auch träumen wir oft von Orten oder Reisen. Die Entspannung hat sehr lange angehalten. Erst in den letzten drei Monaten habe ich das Gefühl, wieder etwas mehr gestresst zu sein, bin aber noch weit vom Stresslevel vor der Reise entfernt. Neulich haben wir mal einen Bericht über Rolf Dobelli gesehen, dem Autor von „Die Kunst des guten Lebens“. Eine seiner Thesen ist, dass im Gegenteil zu mehr Geld (hier wird man ab einem micht sehr hoch liegenden Level nicht mehr glücklicher) mehr Reisen wirklich glücklicher machen – Recht hat er.

Kann man danach wieder normal arbeiten?

Das hab ich mich vor dem Ende der Reise öfter gefragt. Am Ende ging das wirklich sehr gut. Was hat mir dabei geholfen:

Die Mailflut dämmen

Vor der Reise hatte ich mich aus unzähligen Verteilern abgemeldet. Am Anfang der Reise hatte ich noch eine Weile Mails gelesen. Als dann mein Passwort abgelaufen war, habe ich es nicht mehr erneuert und dtatsächlich 4 Monate keine einzige Arbeitsmail gelesen. Erst knapp 4 Wochen vor Ende der Reise hatte ich mir meinen Arbeits-Mailaccount wieder freischalten lassen. Ich war einfach neugierig, ob mich eventuell eine Katastrophe erwartet, ob alles gut gelaufen ist oder was sonst so passiert ist. Auch wollte ich vermeiden, dass ich gleich bei der Ankunft vor einem Berg von 10.000 E-Mails stehe. Eigenartig war es schon, wieder die ganzen Mails zu lesen. Ein paar Regeln habe ich mir dabei jedoch schon gegeben:

  • Maximal ein Mal pro Tag in die Arbeitsmails schauen
  • So viel Mails löschen, wie es irgendwie geht
  • Ich durfte keine Antwort schreiben außer eventuell netten Kollegen zum Geburtstag gratulieren 😉

Ergebnis war, dass alle Katastrophen ausgeblieben sind, es zwar eine Umorganisierung gab (in der letzten Zeit wechselt eh fast jedes Jahr mein Chef) und ich vor Arbeitsbeginn alle Mails abgebaut hatte. Das war schon einmal gut. Wichtig für mich war jedoch auch, dass es Bereiche gab, die sich unter meiner Abwesenheit nicht wirklich weiterentwickelt hatten, ich wurde also noch gebraucht.

Aufgaben abgeben

Vor der Abreise hatte ich ja alle meine Aufgaben abgeben müssen. Teilweise hatte ich bereits 6 Monate vor Abreise damit gestartet. Nach der Ankunft habe ich nicht wieder alle Aufgaben übernommen – einerseits weil die Kollegen in meiner Abwesenheit diese ja toll übernommen hatten und andererseits, weil ich mich mehr fokussieren wollte. So konnte ich mich viel mehr inhaltlichen Themen widmen.

Ergebnis

Die Mailflut war auch nach Beginn der Arbeit nachhaltig eingedämmt, da sich in dem halben Jahr viele Kollegen und Kunden daran gewöhnt hatten, dass ich nicht mehr da war. Auch war ich ja wirklich tiefenentspannt und hatte Lust auf neue intellektuelle Herausforderungen. Ich bin der festen Überzeugung, dass beide Seiten sehr von meinem Sabbatical profitiert haben

Ist die Reise wie alle früheren Urlaube, nur länger?

Ein klares „nein“. Die ersten 2 Monate eventuell, aber eigentlich wird es schon nach einem Monat anders. In der ersten Zeit wollten wir natürlich viel sehen, hatten die Tage relativ voll gepackt und waren viel unterwegs. Irgendwann ist die Aufnahmekapazität jedoch voll und man wird ruhiger. Antonella hat dann die Regel formuliert, dass wir an jedem Ort mindestens 4 Tage bleiben. Da wir ja nur ganz wenige Sachen vorher gebucht hatten, haben wir oft verlängert, unsere Route geändert und uns treiben lassen. Irgendwann wird man ruhiger und gelassen. Andere Traveler erkennt man oft an deren Entspanntheit. Das Ganze hat einen Flow, Sachen ergeben sich, alles wirkt unkompliziert. Wir haben uns auch an kleinen Sachen erfreut, beispielsweise wenn unsere Sachen mal wieder alle gewaschen waren. Ein anderes Beispiel ist unsere Kofferreparatur, bei der wir an einem Tag eine Menge sehr netter und hilfsbereiter Leute kennengelernt haben.

Einmal haben wir in Chiang Rai einen Tag damit verbracht, unseren Lieblingskoffer zu reparieren, der uns seit 15 Jahren schon überall hin begleitet hat. Beide Griffe hatten den Geist aufgegeben.

Koffer nach der Reparatur des Griffes
Koffer nach der Reparatur – man beachte die stabilen Schrauben

Wir waren erst bei einem Schuster, der uns ein stabiles Material für den neuen Griff gegeben hatte, was er jedoch nicht nähen konnte, wir gingen zu einem Schneider der den Griff nicht nähen wollte, aber die Idee hatte, dass wir es ja bei einem Polsterer versuchen konnten. Den hatten wir dann auch gefunden, und er fand die Idee lustig, er half uns auch noch beim Bohren von Löchern, wir hatten nur nicht die richtigen Schrauben. Die bekommen wir bestimmt beim Suzuki-Händler, die haben auch eine Werkstatt, war seine gute Idee. Gesagt getan, in der Werkstatt halfen dann gleich drei Leute und alle waren angetan vom Ergebnis (ok, die Schrauben sind etwas überdimensioniert, aber was soll‘s). Leider war das Griffmaterial zu flexibel btw. die Befestigungspunkte zu weit innen, der Griff bog sich daher um. Wir wollten die netten Leute der Werkstatt nicht bloßstellen, also ab zur Honda-Werkstatt und zwei weitere Löcher und Schrauben war das Ergebnis fertig. Der Koffer geht bestimmt kaputt, der Griff wird ihn überleben 😉

Und nun?

Wir haben in diesem Jahr eher kleinere Urlaube mit unseren Familien gemacht, diese hatten wir ja länger nicht mehr gesehen – auch das war sehr schön. Jetzt im Winter wenn es kälter ist und so schnell dunkel wird, fängt das Fernweh jedoch wieder an zu drücken. Wir haben günstige Flüge nach Sri Lanka mit Weiterflug auf die Malediven gefunden – bald geht es wieder los, wir können es kaum erwarten. Um mich schon mal wieder warm zu schreiben, werde ich in Kürze endlich mal über den Rest der großen Mekong-Tour schreiben, der das Ende der großen Reise war (der Anfang der Mekong-Tour steht hier).

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