Reisen in den Zeiten von Corona

Die letzten fast zwei Jahre waren wirklich anders, Reisen in den Zeiten von Corona stellt einen vor neue Herausforderungen und hat sich geändert. Erst konnte man gar nicht reisen, dann mit viel Aufwand erst in Deutschland, dann in Europa, es gibt viele Regeln, viele Änderungen dieser Regeln, viel Vorbereitung, viele Stornierungen. 

Städtereisen neu entdecken.

Auch wenn wir schon immer gerne Städtereisen unternommen haben, haben wir dies nun deutlich intensiviert. Das Reisen konnten wir so trotz Corona sehr flexibel wenn auch kürzer gestalten. Der Sommer 2020 war ok, wir waren in August in Rom und haben Freunde besucht. Ein großer Vorteil von Reisen in den Zeiten von Corona ist die Leere an manchen Orten. In Rom es so leer wie noch nie. Das hatte zwei Gründe: einerseits sind die meisten Römer im August überall, nur nicht in Rom, andererseits haben trotz der zu der Zeit guten Inzidenzzahlen viele auf Reisen verzichtet. Der Petersplatz mit etwa 30 Personen strahlte eine Ruhe aus, die man wohl kaum wieder erleben kann. Impfgegner oder Maskenverweigerer gibt es viel weniger. Wahrscheinlich auch deswegen, weil in Italien mehr Leute den Kollaps des Gesundheitssystems miterlebt hatten.

Reisen in den Zeiten von Corona - Der leere Petersplatz in Rom
Der Petersplatz in Rom zu Corona-Zeiten

Gestrandet in Deutschland – Erfurt entdeckt

In Deutschland sind wir letztes Jahr im Oktober einmal in Erfurt gestrandet. Grund war, dass Hessen wegen der während des Kurzaufenthaltes in Berlin auf über 100 gestiegenen Inzidenz keine Berliner mehr wollte. So ergab sich für uns die Gelegenheit, die Städte Erfurt, Eisenach und Gotha einmal näher kennenzulernen. Das hat uns so gefallen, dass aus einem Tag vier Tage wurden und wir mittlerweile erneut in Erfurt waren. Das einzig unschöne war eine sehr gut besuchte Anti-Corona-Kundgebung auf dem Fischmarkt – selten so viel erschreckenden Unfug gehört wie dort. Einige etwas lauteren Kommentare meinerseits führten dazu, dass ich dann genauer von einem muskelbepackten Sicherheitskomitee observiert wurde.

Gang in der Wartburg
Gang in der Wartburg

Spanische Vernunft und Pragmatismus

In Spanien ging das Reisen dann im Frühling in einigen Regionen. Grund war, dass dort eine Mischung aus spanischer Vernunft und Pragmatismus zu einer guten Situation geführt hatten. Spontan buchten wir einen Flug nach Palma de Mallorca. Die Stadt gefällt uns sehr, viel Kultur, sympathische Leute und leckeres Essen. Eine große Stadt am Meer hat für uns generell schon einmal viele Pluspunkte. Die Diskussion um die Unverantwortlichkeit der Mallorca-Reisenden kann ich nur bedingt nachvollziehen. In Palma de Mallorca war die Corona-Lage deutlich entspannter und sicherer als in Berlin, geringere Inzidenz, nächtlich Ausgangssperre, Impfgegner sind dort sehr selten, alle trugen Masken… aus meiner Sicht 1:0 für Spanien bezüglich klarer Regeln, Vorsicht und Vernunft des überwiegenden Teils der Bevölkerung. Auf dem Hin- und Rückflug hatten alle einen frischen PCR-Test, also deutlich sicherer als Zug fahren in Deutschland. Abgesehen davon war es einfach mal wieder schön, unkompliziert in einem Restaurant am Meer zu essen.

Großarting ist die Anhäufung von wunderschönen gothischen Bauten wie dem Dom und vieler weiterer Kirchen. Sehr gefallen hat uns auch die lichtdurchflutete Llotja de Palma, ein gotischer Profanbau am gleichnamigen Platz.

Die lichtdurchflutete Llotja de Palma
Die lichtdurchflutete Llotja de Palma

Die ersten deutschen Sonderregelungen

In Lübeck gab es im Mai 2021 eine der ersten deutschen Sonderregelung, bei der man sich jeden Tag testen musste. Dies war eine der ersten Erleichterungen beim Reisen in den Zeiten von Corona in Deutschland. Das hatte sehr gut funktioniert. Die Stadt der sieben Türme ist toll. Wunderschön die Glasfenster im Lübecker Dom von Lothar Quinte. Der krasse Gegensatz ist das strahlenden Weiße von St. Petri, Ergebnis eines Gerichtsurteils gegen den Kunstmaler Lothar Malskat. Er gab 1948 vor, in St. Marien gotische Fresken in schwindelnder Höhe entdeckt und freigelegt zu haben. Diese hatte er jedoch selber gemalt.

Die Glasfenster im Lübecker Dom von Lothar Quinte.
Die Glasfenster im Lübecker Dom von Lothar Quinte.

Nach vielen Städtereisen in Deutschland und Europa hatten wir nach fast zwei Jahren jedoch wieder einmal Lust auf eine längere Fernreiße. Wir hatten vor einem Jahr einen extrem günstigen Business-Class Flug nach Bangkok gebucht. Die Idee war, dass man ja von Bangkok leicht zu allen möglichen weiteren Destinationen kommt.

Thailands Tourismus Sandboxes

Den Flug mussten wir jedoch zwei Mal umbuchen. Verständlicherweise wollte Thailand keine Touristen hereinlassen, es sei denn, sie machen 14 Tage Quarantäne – was bei 4 Wochen Urlaub irgendwie zu lang ist. Auch alle anderen Länder dort hatten sehr restriktive Einreiseregeln. Ab Juli 2021 gab es dann Thailands Tourismus-Sandboxes, zuerst nur für Phuket dann auch für Koh Samui.

Ab Oktober zeichnete sich eine Öffnung ab, die ab dem 1.11. noch besser wurde. Es schien also zu klappen. Die Formularien waren sehr komplex, man musste etwa 6 Nachweise bzw. Bestätigungen einreichen und spezielle Flüge und Hotels buchen.

Als wir die endgültige Bestätigung hatten, fing Deutschland an, jeden Tag wieder alle Corona-Rekorde zu brechen. Wir hatten Angst vor einem déjà vu, wie eingangs erwähnt in Erfurt. Hier muss ich zugeben, dass ich an die Grenzen meiner Gelassenheit gekommen bin – die Inzidenz korreliert so was von eindeutig mit der Impfquote (die 6 Länder mit der höchsten Inzidenz sind die mit der geringsten Impfrate), die Wahrscheinlichkeit auf die Intensivstation zu kommen ist für Ungeimpfte wirklich um ein Vielfaches höher, dass sich mein Verständnis für Corona-Impfgegner asymptotisch der Null nähert. Es scheint mir fast, als müsste man manche Leute zu ihrem Glück zwingen.

Heute sind wir losgeflogen und sind gespannt…

Ergänzung 21.11.2021: … und wir sind angekommen 😉

4 thoughts on “Reisen in den Zeiten von Corona

  1. Das sind gute Neuigkeiten!
    Erstmal Phuket und Koh Lanta. Alles andere entscheide ich dann vor Ort 😉

  2. Wowwww!!!! bin auf Eindrücke und Strandbilder aus Thailand gespannt. Speziell würde mich interessieren ob der Tourismus Rückgang sich positiv oder negativ auf Gegend, Menschen und Land ausgewirkt hat.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.